Galerie im Petrushof

Alf Setzer

22.04 -12.06.2007

Eröffnungsrede
Dr. Dirk Teuber
Staatliche Kunsthalle Baden-Baden

„Aus meinem eigenen Werk heraus zu arbeiten und immer das zu schaffen, was notwendig ist, damit das Werk offen und lebendig und eine Herausforderung für mich selbst bleibt …“ Richard Serra, 1976.

Dieser Satz, 1976 von dem amerikanischen Bildhauer Richard Serra in einem Intview formuliert, mag vielleicht auf das Vorgehen von Alf Setzer anwendbar sein. Diese Ausstellung „Ins Glas geworfen“ ermöglicht ein Durchwandern und Verstehen seiner Bildideen. Skulptur ist nach dem Boom der Malerei in den letzten Jahren das neue den Kunstmarkt und den Betrieb belebende Thema, der Hype der Saison, der die Kunstmagazine, Fernsehnachrichten wie Tageszeitungen und die Augen und Köpfe eines vermeintlich oder auch tatsächlich kunstbegeisterten Publikums wie der Fachwelt füllt - gelegentlich auch die Augen und Gedanken verstopft. Alles ist cool, was Kunst betrifft.

Das Aufregende, vielleicht auch Beunruhigende ist die Vielfalt dessen, was Alf Setzer zu sehen gibt. Die aus Kalkschichten und Glasscheiben gestapelten „Grauzonen“, die Alf Setzer jetzt „Ins Glas geworfen“ nennt, die geglätteten, die längsovalen liegenden Stelen aus Granit, die auf Wolldecken ruhen, der schräge Ovalkörper auf gelber Decke, der hochpolierte Kubus, der mit einer runden mit Wasser gefüllten Eintiefung versehen ist, die Gruppe „Schwarzlicht“, jene zwei rätselhaften Schienen aus schwarzem Granit auf dem Boden, die entfernt an kiellose Bootskörper erinnern, die geheimnisvollen Lichtzeichnungen drüben im Monitor, die Schieferzeichnungen mit Bohrungen und Ritzungen, geheimnisvoll schwebende Kugeln in grünlichem Glas, Glasstapel in stabilem Gleichgewicht. die Steinregalbretter mit den sandgestrahlten Gläsern und den zerknüllten weißen Stoffen. Und außen die kraftvolle Steinskulptur „Stereo“ mit ihren komplexen Verschneidungen und Raumbildungen. Wie passt das alles zusammen?

Kurz skizziert sei der Lebenslauf, der vielleicht verständlich macht, wie sich ein Werk entwickelt, zeigen sich doch einige Bedingungen der Möglichkeiten zu diesen Arbeiten. Verblüffend nach dem ersten Blick in diese Ausstellung mag sein: Alf Setzer hat bei einem der renommierten Bildhauer der deutschen abstrakten Plastik in Braunschweig studiert, von 1976-1981 Studium bei Emil Cimiotti. Er ist Plastiker, einer der wichtigen Bildhauer des deutschen Informell. Er vertritt jene abstrakt, organisch auswuchernde Auffassung von Skulptur, die seit den fünfziger Jahren die Moderne fortsetzt. Verbunden damit ist die Ausbildung zum Steinmetz; dies dient auch als Brotberuf, der die materiellen Grundlagen und technischen Erfahrungen in der Bauhütte bietet für die Ausbesserungen und Ergänzungen gotischer Bauornamentik. Hier trifft Setzer das Rätsel aller Gestaltung: Der Steinblock gewinnt durch die künstlerische Form an Ausdruck und plastischer Präsenz, obwohl durch die Gestaltung das materielle Volumen reduziert ist. Was wird da anders? Was ist das Geheimnis der Form? Bis heute sieht sich Setzer dem Gespür für das Material und dem Rätsel des Bildhauerischen ausgeliefert. Was ist Skulptur?

Und eben auch der Frage nach der Kunst im Leben: Kopieren ist bildhauerische Aufgabe bei der Restaurierung einer mittelalterlichen Braunschweiger Kirche zwischen 1982 und 1984. Das eigene Schaffen wird der Geschichte untergeordnet in Material, Maß und Form. Das bedeutet zugleich den Bruch, führt für das Selbstverständnis als Künstler zu einer Krise, für die das Studium bei Cimiotti keine Hilfe geboten hatte. Denn was geschieht im Leben draußen, alltäglich, die Freuden und Zumutungen der Freiheit. Wo lebe ich, in Kempten? Was ich lese, was ich sehe, ist dies alles wahr? Wie lässt sich dies ertragen? Welche Rolle sehe ich für mich als Künstler, der irgendwann einmal über Formstrenge, Askese, über die Autonomie der Kunst als zeitgemäße Grundlage des eigenen Werks nachgedacht hatte. Wer und was ist mein Nachbar? Etwa die alte Frau von gegenüber, die gegen meine Skulpturen tritt? „Was ist’n das für´n Gelump?“ Die Groteske, das Unheimliche, das Sarkastische, das sinnlich, auch gebändigt Sündige des Alltäglichen im eigenen Leben, die andere Seite, wie es in jeder gotischen Kirche in Säulenkapitellen, in Wasserspeiern, in Misericordien und Sitzwangen des Chorgestühls immer wieder erlebbar ist. Dies alles bedarf der beschreibenden Analyse.

So ist das Leben, doch was ist die Kunst? Ist dieses Künstlerdasein noch zu ertragen? Zusammen mit dem Bruder entwickelt, erscheint die Zeitschrift „Kopierer“, wo man offen ist für die Welt und auf die Sensationen aus der Wirklichkeit aufmerksam macht, aus Fundstücken „Mücken überfallen deutsche Stadt“, „Warum Herr Flügel sein Auto zersägte“ - allerdings, wir waren noch nicht Papst, noch nicht Deutschland und Knut war noch nicht geboren. Deshalb „Das ist also unsere Chance. Macht euch auf, den Sinn des Lebens zu erkennen, bevor der Tod euch ereilt. Und vielleicht ist es ja noch nicht zu spät. Vielleicht setzt die Schockwirkung noch ein, die einen Heilungsprozess in Gang setzen kann.“ Dies findet sich in der Nähe der Rubrik „Tipps & Trends für Reise, Freizeit und Motor“. Ein Spiegel muss her: Das Kabarett „Die Wiesenbügler“, 1987 gegründet und gleich mit dem renommierten Scharfrichterpreis ausgezeichnet, spiegelt den Alltag! „Was wir vorgetragen haben, habe ich bei Veranstaltungen der CSU aufgenommen und später wortwörtlich aufgeschrieben und wiedergegeben“, sagt Alf Setzer.

Alf Setzer setzt diese Jahre der gewollten Desorientierung konstruktiv ein, sucht als Bildhauer Halt in der Zeitgenossenschaft. Spuren des Skulpturbegriffs der Gegenwart der achtziger Jahre allenthalben. In einer Katalogkarte finde ich Zitate von Bildhauern der Klassischen Moderne Constantin Brancusi, Aristide Maillol, Isamu Noguchi und Donald Judd. Die Skulpturen dieser Jahre stehen der klassischen europäischen Moderne nahe, teilweise noch figurativ, aber eben auch Stelen, Säulen, Granitbögen, bruchrau, mit ihren Werkspuren der Ästhetik eines Ulrich Rückriem nahe. Spannend ist zu sehen, wie Alf Setzer in seinen Arbeiten dieser Jahre deutlich sucht, was verbindlich Skulptur heißen soll. Es geht um Zeitgenossenschaft, es geht um Material und die elementare Analyse dessen, was Kunst, was Skulptur ausmacht, das ist die tragende Herausforderung. Die amerikanischen Minimalisten Richard Serra, Donald Judd, Richard Artschwager, auch Dan Flavin vielleicht, „What you get is what you see!“ „What you see ist what you get!“ Keine literarischen Bezüge, vielmehr: Es gilt, Kunst irgendwie in ihrer Essenz wiederzufinden. Was kann Skulptur, was jegliche andere Kunst nicht kann. ? Was macht sie zur Vermittlung von Erfahrung als Kunst im Leben einzigartig? Ihr Wesen sei Form – und der Weg dahin ist für Setzer die Form, die zur Gestalt führende Technik. Aber da ist auch die europäische Perspektive der am Material orientierten Arte Povera, die immer wiederkehrende Bemühung um Grundlagen, bildnerischen Verfahren bzw. Techniken, die Ungewöhnliches einbringen wie Stoffe, physikalische Prozesse, Strategien des Zufalls, um Raumerfahrungen zu artikulieren, mythische Dimensionen zu öffnen..

Seither entfaltet sich Setzers Werk mit auswuchernder Phantasie, die sich an Grundformen in postminimalistischen Rahmenbedingungen orientiert, aber und mittels Kombinatorik und Mutation, durch Wechsel in Volumen und Material zu neuen Formgedanken und damit zu neuen Inhalten führt. Das Festhalten an einem Material, an einer Form oder einem Formzusammenhang und die systematische Analyse ist Setzers Sache nicht. Zu reizvoll ist es, ist die Vorgaben der minimalistischen Tradition weiter zu denken, ohne sie aufzugeben. Zu vielfältig ist die Lust an der Verwirklichung der inneren Bilder, ob in Stein, Stahl, Eisen, Gummi, Glas, Kalk, Textilien, Licht oder Pappmaschee.

Skulptur ist Ding, ist Realität und Körperlichkeit, wie wir selbst Körper sind, letztlich unabdingbare Gewissheit in der Präsenz, in seiner unbezweifelbaren Gegenwart. Und doch steht in jeder Skulptur auch die Bewegung, die Tendenz zur Auflösung des Materiellen zu Gebote, hier ein Schliff, dort sandgestrahlt, verwandelt sich Haptik und Erscheinung. Ist in jeder einzelnen Arbeit auch eine graduelle Überschreitung des Materiellen ablesbar.

Allen Arbeiten eigen ist Beweglichkeit, Weiches, Fließendes - etwas, das Unsicherheit, Offenheit, oft Unkalkulierbares, Zufälliges einbindet in den Begriff von Skulptur und das, wie in allen Bereichen Setzers, Überschreitungen, Fortschreibungen sucht. Dass er gern mit Granit arbeitet, hat Gründe. Dieses Material ist nicht irgendein Stein, es ist nicht wertfrei für Setzer, sondern gewählt. Es ist Granit, jener Stein, aus dem geläufigerweise auch Grabsteine hergestellt werden, und tatsächlich verwendet Setzer aufgegebene Grabsteine, rettet sie gleichsam davor, zu Straßenschotter verarbeitet zu werden. Glanz und optische Tiefe dieses Materials sind Gewissheiten, die durch Schliff und Polituren entstehen. Sie verleihen dem Material rätselhafte Leichtigkeit und Unangreifbarkeit. Manchmal mögen sie die Empfindung des Schwebens auslösen, des Flüchtigen, das Setzer verstärkt, in dem er zum Beispiel einige der Skulpturen auf Wolldecken stellt oder legt. Diesen Schwebezustand, der optisch und haptisch sich vermittelt, dieser eigentümliche Zwischenraum, die Unsicherheit ob der Materialität, dies ist in allen Arbeiten zu beobachten.

Die Mittel sind bewusst begrenzt, um das Material durch Bohrungen, Sägeschnitte, Einschleifungen, teilweise mit Sandstrahl in seiner Eigenheit in neuen semantischen Zusammenhängen erscheinen zu lassen. Arbeitsspuren sind gelegentlich zu sehen. Sie dokumentieren den Prozess zur Gestaltung, zur Formwerdung und dokumentieren damit Zeit, Lebenszeit des Künstlers - wie des Betrachters. Überraschend ist auch, dass sich aus der asketischen Begrenzung der Mittel und des Materials - immer wieder neu - abstrakte Raumverhältnisse aufbauen und neu Dimensionen menschlicher Erfahrung alludiert werden. Zum Beispiel die Schiefertafeln: das Material, das Zeichnen, Schreiben lernen auf schwarzem Grund, das stets kindlich ernste und doch flüchtige Skizzieren. Was bildet sich ab, über die Jahre im Bewusstsein? Was formt das bildnerische Denken? Was die Hand, die die Form kontrollieren soll? Und dies gilt eben auch für die Skulpturen, die aus Glasscheiben bestehen, zwischen denen modellierter Kalk brüchig, bröselig und Risse bildend auftrocknet. Das Licht, das durch die horizontalen Glasscheiben dringt, wird zwischen die aufmodellierten Kalkschichten gelenkt. Das Potential des Zersetzens und Vergehens scheint gebannt. Vielmehr erzeugen Glas und Kalkschicht einen Farbklang, der von seltsamer Intensität ist, ein Grün, dass sich jeglicher Reproduktion entzieht. Zudem müssen sie vor Ort jeweils neu aufgebaut werden, ändern so sich in Maß und Ausdruck. Hier eben gilt, was für jegliche Skulptur anwendbar ist. Nur die sehende Begegnung mit dem Objekt, die Empfindung des Körpers im Raum, wie seine Erscheinung macht die eigentliche Qualität der Arbeit aus, die nur in der unmittelbaren Begegnung authentisch ist. 

Ohnehin zeugen die Arbeiten, in denen Setzer Glas einsetzt, von technischer Perfektion und berührender Schönheit. Die  Glaskuben, die aus geschichteten Glasscheiben bestehen, bringen aus raffinierten wie simplen Einritzungen scheinbar schwebende Kugelformen zur Erscheinung. Überraschende Einsichten bieten die kleineren hermetischen Skulpturen, die Alf Setzer in der ehemaligen Futterkrippe des Petrushofes installiert hat. Schieferplatten zu Quadern zusammengesetzt wirken auf eigene Weise verletzlich, wenn sie innen mit Kalk bestrichen bzw. bestreut sind. Ein Sechskant aus Granit, eine Schüssel mit Sockel aus Gummi. Lichtzeichnungen dokumentieren ebenfalls Raumerfahrungen. Entstanden aus Aktionen im Atelier und unterschiedlichen architektonischen Zusammenhängen erschließen sie den Raum, der sich aus der Körperbewegung entwickelt, welche skulptural nicht greifbar ist, sondern nur eben in der Fotografie anschaubar wird. Sie erschließt den Raum zu neuen Bildern in einem komplexen Geflecht aus fotografischer Fiktion und eigener Formqualität, die das Phänomen Raum aus der Synthese von Zeit und Bewegung beschreiben.

Es gibt da eine Arbeit, eine Installation, die mir, seit ich von ihr hörte, und sie - zunächst allerdings nur - in Fotos gesehen habe, nicht aus dem Kopf geht. Auf zwei in der Wand verankerten Metallstäben ruhen zwei Steinplatten aus Anröchter Grünstein, längsrechteckig, schmal vergleichsweise, nicht mehr als ein Regalbrett. Der Titel scheint banal „Regal für Hans Uhlmann, 2003“. Er geht auf eine Anekdote aus dem Leben des bedeutenden Metallbildhauers zurück. Hans Uhlmann hatte im Dritten Reich Berufsverbot und war bereits kurz nach der Machtübernahme verhaftet worden. Im Gefängnis bat er um ein Regal. Auf die Frage „Warum?“, er hätte doch nichts, was er darauf stellen könne!, antwortete Uhlmann, er habe „im Kopf Skulpturen gefertigt, die er gerne darauf abstellen würde“. Hier in dieser Ausstellung sehen wir einige Varianten mit weiteren schemenhaften Glaszeichnungen, die von neuen gedachten, aber noch nicht realisierten Skulpturen Zeugnis ablegen und durch die weißen zerknüllten Stoffe neue Erscheinungsweisen im Licht erfahren. Es sind Skulpturen, die vielleicht nur gedacht werden können.

Kunst zu machen, Künstler zu sein, heißt, sich selbst zu bestimmen: Was will ich? Was sind meine Bilder? Welche Bilder mache ich, weil ich sie sehen will, sehen muss? Was ist meine Sprache, die die Worte, die Erzählung versucht zu vermeiden? Welche Geschichten ohne Plot, ohne Story, erzähle ich aus dem Bild heraus, das ich denke, das aus einem Werkprozess entsteht? Was ist für mich relevant, wenn ich daran glaube, in Bildern zu denken? Was entsteht da eigentlich, zunächst für mich, dann aber auch für den Betrachter, von dem ich nicht weiß, was er wirklich sieht? Wie erzähle ich, was will ich erkunden? Nach den Maßgaben der so genannten „freien“ Welt gilt es, als Künstler autonom zu sein und zugleich Zeitgenossenschaft zu wahren, eine Sprache zu finden, die das, was sich als Anliegen aufdrängt, was meine Bilder im Kopf sind, in Material umsetzen, um etwas zum Sehen zu geben.

Es ist das alltägliche Brot des Lehrers Alf Setzer, dies den Studenten an der Akademie Stuttgart nahe zu bringen, technisches Wissen zu vermitteln, um sich Sprachfähigkeit für das bildnerische Vermögen erwerben, oder vielleicht auch die Sucht, sich in Bildern artikulieren zu können. Doch da ist noch ein Weiteres: Es ist die Tradition, die Geschichte der Kunst, die Geschichte der Skulptur, die mit in dieses In-Bildern-denken hineinspielt. Es sind die Erkenntnisse der Gegenwart, die das Denken bestimmen, die technischen Möglichkeiten, die technisch bedingten Wahrnehmungshorizonte, die die eigene Vorstellung vom Selbst bestimmen wie die Lektüre eines Romans oder die Erfahrung des Kinos, des kalten Lichts von Neon, was sich in der Erfahrung grundsätzlich von Kienspan und Kerze unterscheidet. Was also ist der Zeit angemessen, wenn alles erfunden scheint, insbesondere heute in Zeiten der so genannten Postmoderne? Wo ist das, was man damals - es war Kandinsky - innere Notwendigkeit nannte?

Wenn ein Bildhauer seine Ausstellung „Ins Glas geworfen“ nennt, so mag man verwundert aufhorchen. „Ins Glas geworfen“! Da wird etwas zerstört, da splittert etwas. Die Einladungskarte scheint davon zu zeugen. Da ist man oder etwas einer Situation ausgeliefert, passiv. Aber da ist auch von Dynamik die Rede. Da wird etwas geworfen, geschleudert, ist etwas entschieden von etwas, von jemandem außerhalb der eigenen Kontrolle. Ist da ein Stein geworfen, aber wüsste der Stein davon? Oder ist es eine Person, die sich geworfen fühlt? Die inhaltliche Bestimmung ist nicht eben leicht, auch heißt es „ins Glas geworfen“, nicht durch die Scheibe hindurch! „Ins Glas geworfen“ heißt auch, sich in einer Umgebung zu befinden, wo alles durchsichtig ist, wo man von allen Seiten gesehen wird, wo man sich darstellt. Wir sind in all unserem Bewusstsein von unserer Endlichkeit „ins Glas geworfen“, werden, wenn wir aufprallen, für einen Moment gehalten, bevor das Glas zersplittert, die Scheibe zerfällt, sich unsere Existenz, unser vermeintliches Wissen von uns selbst auflöst. „Aus meinem eigenen Werk heraus zu arbeiten und immer das zu schaffen, was notwendig ist, damit das Werk offen und lebendig und eine Herausforderung für mich selbst bleibt …“ heißt es bei Richard Serra 1976. Was da an Bildern, an Skulpturen bei Alf Setzer noch erscheinen kann, ist ungewiss, aber zugleich unglaublich spannend. Schließlich sind die „Letzten Tage der Menschheit“ angebrochen, die Alf Setzer meisterlich zu interpretieren weiß.

© Dirk Teuber

Richard Serra, 1976, zit. n. Clara Weyergraf, Staatliche Kunsthalle Baden-Baden, Baden-Baden 1976, S. 152.
Zit. nach Kopierer, Warum Herr Flügel sein Auto zersägte, weißes Heft, s. p.
Richard Serra, 1976, zit. n. Clara Weyergraf, Staatliche Kunsthalle Baden-Baden, Baden-Baden 1976, S. 152

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